Einfache Brandschutzbewertung nach OIB-RL2

Bevor Sie beginnen...

1. beachten Sie bitte die in Ihrem Bundesland verbindlich erklärte Ausgabe der OIB-Richtlinien. Im Besonderen gibt es bei den Gebäudeklassen GK 1 bis GK 5 erhebliche Unterschiede in den Festlegungen nach den OIB-Begriffsbestimmungen (OIB-BB aus 2011 im Vergleich zur Ausgabe der OIB-BB 2015) sowie bei der Ermittlung des Fluchtniveaus. 

Damit Ihnen dabei kein Fehler unterläuft, nehmen Sie die rechts stehende Tabelle (Ausgabestand 2017-01) zur Hand.

Stand der Umsetzung der OIB-Richtlinien in den Bundesländern

2. der Umgang mit den Gebäudeklassen und die unten folgende Handlungsanleitung, wie sich der erforderliche Brandschutz in einfacher Weise ermitteln lässt, behandelt Bauwerke, die nach OIB-Richtlinie 2 bewertet werden können (somit keine Betriebsbauten, Garagen und Parkdecks und Hochhäuser). Siehe dazu auch den ersten Schritt unten, erstes Kriterium des Flussdiagramms.

 

3. spätestens jetzt benötigen Sie für Ihre nächsten Schritte auch die OIB-Richtlinie 2, die wir Ihnen in der Fassung 2015 hiermit auch als download verlinkt haben. Klicken Sie auf den Dateidownload und ihr Standardprogramm sollte die Datei unmittelbar öfnen:

OIB-Richtlinie 2 mit Stand März 2015
richtlinie_2_26.03.15.pdf
PDF-Dokument [1.6 MB]

Allgemeine Bauwerke (keine Betriebsbauten, Garagen und Parkdecks, Hochhäuser oder andere Sondernutzungen wie Krankenanstalten, Pflegeheime, Veranstaltungsstätten, u.dgl.) werden brandschutzmäßig nach OIB-Richtlinie 2/2015 bewertet. Bevor man allerdings mit der Bewertung beginnen kann, muss man sich den OIB-Begriffsbestimmungen widmen, um die für das Gebäude zutreffende Gebäudeklasse zu ermitteln.

In diesen Begriffsbestimmungen sind die Gebäudeklassen (GK1 bis GK5) sowie der Begriff des Fluchtniveaus definiert, anhand derer dann in der OIB-Richtlinie 2 grundlegende Aussagen über die Wahl der Baustoff-Brennbarkeitsklassen (Euro-Klassen A bis F) sowie die Tragfähigkeit der tragenden Bauteile/Konstruktionen und deren Feuerwiderstandsklassen (z.B. R 60, REI 90, etc.) festgelegt werden Ebenso steigen mit der Gebäudeklasse auch die Anforderungen an die Treppenhäuser:

 

Wichtiger Begriff des Fluchtniveaus gemäß der Ausgabe OIB-BB 2015:

Höhendifferenz zwischen der Fußbodenoberkante des höchstgelegenen oberirdischen Geschoßes und der an das Gebäude angrenzenden Geländeoberfläche nach Fertigstellung im Mittel.

Erster Schritt: Gebäudeeinteilung in eine der Gebäudeklassen (GK 1 bis GK 5)

Flussdiagramm zur Einteilung in eine der Gebäudeklassen (GK1 bis GK5) nach OIB-Begriffsbestimmungen Dieses Diagramm zu entwickeln stellt einen enormen Zeitaufwand dar, weshalb wir ersuchen, unser Urheberrecht genau zu beachten
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Gebäudeklasse 1 (GK 1)

Freistehende, an mindestens drei Seiten auf eigenem Grund oder von Verkehrsflächen für die Brandbekämpfung von außen zugängliche Gebäude mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen, mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7,00 m und insgesamt nicht mehr als 400 m² Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße, bestehend aus nicht mehr als zwei Wohnungen oder einer Betriebseinheit.

 

Gebäudeklasse 2 (GK 2)

 

 

 

 

 

(a) Gebäude mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7,00 m von insgesamt nicht mehr als 400 m² Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße,

 

(b) Reihenhäuser mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7,00 m, bestehend aus Wohnungen bzw. Betriebseinheiten von jeweils nicht mehr als 400 m² BruttoGrundfläche der oberirdischen Geschoße,

(c) Freistehende, an mindestens drei Seiten auf eigenem Grund oder von Verkehrsflächen für die Brandbekämpfung von außen zugängliche Gebäude mit ausschließlicher Wohnnutzung mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7,00 m von insgesamt nicht mehr als 800 m² Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße.

 

Gebäudeklasse 3 (GK 3)

 

 

 

 

Gebäude mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 7,00 m, die nicht in die Gebäudeklassen 1 oder 2 fallen.

 

Gebäudeklasse 4 (GK 4)

 

 

(a) Gebäude mit nicht mehr als vier oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 11 m, bestehend aus mehreren Wohnungen bzw. mehreren Betriebseinheiten von jeweils nicht mehr als 400 m² Nutzfläche der einzelnen Wohnungen bzw. Betriebseinheiten in den oberirdischen Geschoßen,

 

 

 

(b) Gebäude mit nicht mehr als vier oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 11 m, bestehend aus einer Wohnung bzw. einer Betriebseinheit ohne Begrenzung der Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße.



Gebäudeklasse 5 (GK 5)

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebäude mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als 22 m, die nicht in die Gebäudeklassen 1, 2, 3 oder 4 fallen.

 

 

 

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Hochhaus

 

Hochhäuser sind in den Begriffsbestimmungen des OIB nicht definiert. 

Die OIB-Richtlinie 2.3 behandelt Brandschutz bei Gebäuden mit einem Fluchtniveau von mehr als 22m.

Bis 32m Fluchtniveau sind in den Gebäuden Sicherheitstreppenhäuser der Stufe 1 erforderlich. Über 32m Fluchtniveau Sicherheitstreppenhäuser der Stufe 2.

Übersichtstabelle der Gebäudeklassen in vereinfachter Form anhand der Begriffsbestimmungen Ausgabe 2015

Darstellung der Gebäudeklasseneinteilung als Tabelle nach den OIB-Begriffsbestimmungen anhand der das zunehmende Gebäuderisiko in Abhängigkeit der Gebäudehöhe (Fluchtniveau) ersichtlich ist Diese Tabelle zu entwickeln stellt einen enormen Zeitaufwand dar, weshalb wir ersuchen, unser Urheberrecht genau zu beachten
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Zweiter Schritt: Festlegung der Brandschutzerfordernisse

Erst anhand der nun ermittelten Gebäudeklasse ist es in einfacher Weise möglich, mittels der in der OIB-Richtlinie 2 eingebundenen Tabellen die grundsätzlichen Anforderungen etwa an die tragenden Bauteile, die Treppenhäuser, die Baustoff-Brennbarkeitsklassen, u.dgl. zu ermitteln.

 

Besondere Bestimmungen gibt es für manche Nutzungen, wie beispielsweise für Beherbergungsbetriebe, Kindergärten und Schulen, Verkaufsstätten bis 3.000m². Für Gebäude, die aufgrund ihrer Eigenheiten oder besonderen Nutzung nicht anhand der OIB-Richtlinie 2 bewertet werden können, ist ein Brandschutzkonzept erforderlich. Derartige Sondergebäude sind:

  • Versammlungsstätten für mehr als 1.000 Personen
  • Krankenhäuser
  • Alters- und Pflegeheime
  • Justizanstalten
  • Verkaufsstätten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 3.000 m² oder für Verkaufsstätten mit mehr als drei in offener Verbindung stehenden Geschoßen
  • Sonstige Sondergebäude und Bauwerke, auf die die Anforderungen dieser Richtlinie aufgrund des Verwendungszwecks oder der Bauweise nicht anwendbar sind.

Dritter Schritt: Der Fluchtweg

Flussdiagramm zur Ermittlung der Anforderungen an Fluchtwege gemäß OIB-Richtlinie 2, Punkt 5.1.1 Dieses Diagramm zu entwickeln stellt einen enormen Zeitaufwand dar, weshalb wir ersuchen, unser Urheberrecht genau zu beachten

Die Sicherung der Flucht ist eines der obersten Gebote im Brandschutz. Den Verfassern der OIB-Richtlinie 2 ist es endlich gelungen, neben der elementaren Anforderung - der so genannten "40-Meter-Regel" - auch eine lange Forderung des Vorbeugenden Brandschutzes in die Regelungen aufzunehmen:

der (zweite) Rettungsweg.

 

Wird der einzige bauliche Fluchtweg nicht nach strengen Kriterien geplant, so ist eine alternative Fluchtrichtung als Rettungsweg erforderlich. Anhand des Flussdiagramms kann im Zuge einer Planung ermittelt werden, welche konkreten Anforderungen und Abschnitte/Tabellen aus der OIB-Richtlinie 2 auf das Projekt bezogen gelten.

Sub-Richtlinien

Für häufig vorkommende Gebäude- oder Anlagentypen, die nicht anhand der Regelungen der OIB-Richtlinie 2 bewertet werden können, wurden bereits Sub-Richtlinien verfasst. Diese sind derzeit:

 

OIB-Richtlinie 2.1/2015 - Brandschutz bei Betriebsbauten

 

OIB-Richtlinie 2.2/2015 - Brandschutz bei Garagen, überdachten Stellplätzen und Parkdecks

 

OIB-Richtlinie 2.3/2015 - Brandschutz bei Gebäuden mit einem Fluchtniveau von mehr als 22m

 

Abgerundet werden die Vorgaben des OIB-Regelwerks durch zitierte Normen und sonstige technischen Regelwerke, die in einem eigenen Dokument aufgeführt werden.

 

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